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Lungenentzündung, seelisch erkrankt und schließlich zwangssterilisiert
Frauen und Mädchen in der NS-Zeit stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Gedenkarbeit am Pfalzklinikum. Etwa 90 Gäste – Mitarbeitende und Bürger*innen der umliegenden Gemeinden – waren am Donnerstag, 10. September, an die Stolperschwelle des Hauptgebäudes gekommen, um an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Evakuierung vom 10. September 1939 teilzunehmen. Mitglieder des Gedenkausschusses, die Klinikseelsorge und Genesungsbegleiterinnen gestalteten gemeinsam eine szenische Lesung für die 1251 Opfer, die damals in Viehwaggons in andere Anstalten abtransportiert wurden. 223 dieser Patient*innen wurden in Tötungsanstalten verlegt. Für sie gab es 2 Minuten und 23 Sekunden Schweigen, während die Glocke der Klinikkirche läutete und eine Kerze zum Gedenken brannte.
Um dem Gedenken ein Gesicht zu geben, erinnerten die Lesenden an das Schicksal der Patientin Maria Z. im Jahr 1934. Maria Z., 24 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern, verbrachte wegen einer Lungenentzündung mehrere Wochen in einem Karlsruher Krankenhaus. Wahrscheinlich aufgrund der damaligen Behandlung erkrankte sie im Anschluss an einer Schizophrenie und wurde im Mai in die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster eingewiesen. Obwohl es ihr besserging und ihr Mann verzweifelt um ihre Entlassung bat, musste sie noch 7 Monate in der Anstalt verbringen. Aufgrund des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurde sie zwangssterilisiert und durfte erst nach dem gewaltsamen Eingriff im Dezember 1934 nach Hause.
Um die Grausamkeit der damaligen Zeit deutlich zu machen, lasen die Mitglieder des Gedenkausschusses Details aus der Krankenakte vor, zitierten aus dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und aus Mitteilungen des Amtsgerichts Kandel mit der Anordnung zur „Unfruchtbarmachung“. Besonders deutlich wurde die Not aus dem Briefwechsel des Mannes von Maria Z. mit dem behandelnden Arzt: „Bitte sind sie so gut und schreiben sie mir in den nächsten 3 Tagen Bescheid, (…) ob ich sie am 4.10. mit nach Hause nehmen darf (…). Ich habe zwei kleine Kinder wo ich in Pflege habe. Jedes Kind kostet mich pro Tag eine Mark (…) Und ich muss monatlich 15 Mark Hausmiete bezahlen. Mein Verdienst ist wöchentlich 18 Mark. Das kann ich nicht mehr länger machen sonst komme ich selbst bald nach Klingenmünster in die Irrenanstalt.“
Wie es Maria Z. selbst ging, kann nur erahnt werden. Über ihr Schicksal nach der Zwangssterilisation ist nichts bekannt.
Kontakt:
Ausschuss für Gedenkarbeit und Geschichte des Pfalzklinikums
Tel. 06349 900-1861
E-Mail: gedenkarbeitpfalzklinikum.de