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„Die Ausstellung konfrontiert uns mit unbequemen Fragen“

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Wanderausstellung NS-Psychiatrie in der Pfalz bis 22. März im Frank-Loebschen-Haus in Landau zu sehen

Rita Becker-Scharwatz am Rednerpult, hinter ihr zwei Infotafeln der Ausstellung, links daneben etliche Besucherinnen
Rita Becker-Scharwatz begrüßte zusammen mit Oberbürgermeister Dominik Geißler und dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer die Besucher*innen.

Von Rockenhausen nach Landau ist die Ausstellung NS-Psychiatrie in der Pfalz gewandert. Seit gestern ist sie im Frank-Loebschen-Haus in Landau in der Kaufhausgasse 9 zu sehen. Vor rund 50 Besucher*innen eröffnete Landaus Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler zusammen mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer und dem geschäftsführenden Mitglied des Ausschusses für Gedenkarbeit, Rita Becker-Scharwatz, die Wanderausstellung.

„Tue Gutes und rede darüber“ – Dominik Geißler betonte die Bedeutung der Kommunikation für das öffentliche Interesse an dem Thema. „Es ist unfassbar, dass eine Partei wieder Menschen nach dem ökonomischen Wert in der Gesellschaft messen möchte. Laut Grundgesetz stehen aber jedem Menschen Menschenrechte zu“, so Geißler. Hans-Dieter Schlimmer sprach sich für die Förderung eines demokratischen Bewusstseins in der Bevölkerung aus. Er war selbst bis 1998 pädagogischer Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Pfalzklinikums. „Rund 2000 Menschen wurden damals ermordet und es waren Beschäftigte der Heil- und Pflegeanstalt, die daran beteiligt waren. Gut, dass es nach langem Schweigen die Gedenkarbeit gibt. Wir haben heute dafür zu sorgen, dass Menschen ein gutes Leben haben“, sagte Hans-Dieter Schlimmer. Auch Rita Becker-Scharwatz erwähnte, dass die Psychiatrie in der NS-Zeit Teil eines Systems von Ausgrenzung und Vernichtung war: „Krankheit wurde damals zu einem Instrument der Ausgrenzung und Tötung und die Ausstellung konfrontiert uns mit unbequemen Fragen. Die Geschichte geht uns alle an und wir verpflichten uns, aufmerksam zu bleiben. Die Ausstellung soll Gespräche anregen über diesen Raum hinaus und uns daran erinnern, wachsam zu bleiben gegenüber dem, was jeden Tag verhindert werden muss.“ 

Anschließend hatten die Besucher*innen die Möglichkeit, sich die Ausstellung in Ruhe anzusehen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Wanderausstellung ist bis einschließlich Sonntag, 22. März, zu den regulären Öffnungszeiten des Frank-Loebschen-Hauses geöffnet. Diese sind dienstags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie freitags bis sonntags von 11 bis 13 Uhr. Montags und an Feiertagen bleibt die Einrichtung geschlossen.
Die Dauerausstellung im Alleehaus des Pfalzklinikums in Klingenmünster ist jeden Mittwoch von 14:30 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei.