Gelernte Schlaflosigkeit

Psychophysiologische Insomnie oder auch gelernte Schlaflosigkeit

Verwandte Begriffe sind gelernte Insomnie, konditionierte Insomnie, primäre Insomnie, chronisch erhöhte körperliche Anspannung oder psychophysiologische Hyposomnie. Bei der psychophysiologischen Insomnie, gekennzeichnet durch Ein- und Durchschlafstörungen oder früh morgendliches Erwachen, handelt es sich um die häufigste Schlafstörung.

Häufigkeit

  • ca. sechs Prozent der Bevölkerung
  • Die Beschwerden können sich mit zunehmendem Lebensalter verschlechtern. 
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 

Ursachen

Es handelt sich um eine Schlafstörung bei chronisch erhöhtem körperlichem oder emotionalem sowie geistigem Anspannungsniveau. Schlafverhindernde Gedanken (Assoziationen) und Fehlverhaltensweisen können beobachtet werden. Die psychophysiologische Insomnie besitzt eine hohe Chronifizierungsneigung mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Depression.  

Symptome

Bei den Patienten kann häufig eine übertriebene Anstrengung einzuschlafen, Angst vor Schlaflosigkeit und mangelnde Schlafhygiene (z. B. unregelmäßige Bettzeiten, nächtliches Arbeiten, Fernsehen, zu langer Schlaf am Morgen) beobachtet werden. Charakteristisch sind die mangelnde Fähigkeit abzuschalten und nächtliche Grübelneigung. Häufig tritt erst in den Morgenstunden das Schlafvermögen auf. Am Tage erleben die Patienten starke Müdigkeit, Erschöpfung und emotionale Verstimmungen. Häufig können Stresssymptome wie Kopf- und Magenschmerzen beobachtet werden. Gegen Abend ist häufig eine erhöhte Angst vor dem Schlafengehen zu beobachten. 

Untersuchung

Im Vordergrund steht der Ausschluss organischer oder psychischer Störungen, die eine Insomnie hervorrufen können. Wichtig sind weiterhin Laborparameter: insbesondere Schilddrüsenwerte, Eisen-, Folsäure-, Vitamin B 12–Bestimmung sowie Leberwerte. In der Medikamenten- und Suchtmittelanamnese finden sich nicht selten ein chronischer Benzodiazepin-Gebrauch und/oder auch ein vermehrter Alkoholkonsum am Abend. 

Untersuchung im Schlaflabor

Eine stationäre polysomnographische Untersuchung zum Ausschluss anderweitiger Ursachen der Schlafstörung ist insbesondere bei chronisch andauernden Ein- und Durchschlafstörungen wichtig. In dieser Untersuchung des Schlaflabors zeigt sich häufig eine verlängerte Einschlafdauer, eine erhöhte Anzahl und Dauer nächtlicher Wachphasen sowie eine verminderte Schlafqualität. Häufig ist der oberflächliche Schlaf erhöht und der Tiefschlaf reduziert. Bei einer Feinanalyse der nächtlichen Registrierung finden sich vermehrt kleinere Weckreaktionen (Mikroarousals)  und charakteristische Überlagerungen im Hirnstrombild der Patienten. Trotz der gelegentlichen Belastung infolge der Messaufnehmer in der Untersuchungssituation schlafen die Patienten oft nicht besser als in der heimischen Umgebung. 

Therapie

Es kommen sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Therapieformen oder eine Kombination beider in Betracht. Die meisten therapeutischen Maßnahmen können ambulant durchgeführt werden. 

Nicht-medikamentöse Verfahren

  • Schulung in Schlafhygiene
  • Schlaftagebuch; Entspannungsverfahren (u. a. auch Fantasiereisen)
  • verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel- oder Gruppensitzungen
  • Hilfen zum Grübelstopp (Stimuluskontrolle)
  • Reduzierung der Bettzeit (Schlafrestriktion)
  • paradoxe Intention
  • Lichttherapie

Medikamentöse Behandlung

Schlafmittel sollten nur über kurze Zeiträume von maximal zweimal zwei Wochen und nur in wenigen Ausnahmefällen bis zu drei Monate eingenommen werden. Sekundäre Schlafmittel, wie z. B. Antidepressiva können häufig über längere Zeiträume verordnet werden. Niedrigpotente Neuroleptika werden nur in Einzelfällen, Phytopharmaka, L-Tryptophan, Melatonin oder Antihistaminika nur in leichten Fällen in Betracht gezogen.