Forensische Psychiatrie

Die Klinik für Forensische Psychiatrie des Pfalzklinikums ist eine Maßregelvollzugseinrichtung mit derzeit 185 stationären Behandlungsplätzen.

Hier werden Menschen gesichert untergebracht und behandelt, die im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung oder einer Suchtmittelabhängigkeit Straftaten begangen haben. Sie gelten zumeist als vermindert schuldfähig oder schuldunfähig und wurden deshalb gemäß § 63 oder § 64 des Strafgesetzbuches zu einem Klinikaufenthalt verurteilt. Man spricht dabei von Maßregelvollzug.


Die rechtlichen Grundlagen für den Maßregelvollzug sind in Bundes- und Landesgesetzen geregelt. Durch Behandlung und Betreuung soll bei den untergebrachten Personen eine Besserung ihrer psychischen Gesundheit erzielt werden. Mit Hilfe geeigneter Rehabilitationsmaßnahmen wird schließlich ihre spätere Rückkehr und Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet und begleitet. Auf diese Weise soll weiteren  erheblichen Straftaten vorgebeugt werden (§ 2 Abs. 1 MVollzG).
Neben stationärer Versorgung verfügt die Klinik für Forensische Psychiatrie über ein umfangreiches ambulantes Therapieangebot. Behandlung, Resozialisierung und Nachsorge der Patientinnen und Patienten sind stets darauf ausgerichtet, den größtmöglichen Schutz der Allgemeinheit zu gewährleisten. Die qualifizierte Arbeit mit den Patientinnen und Patienten dient somit auch der Kriminalprävention.

Die Klinik für Forensische Psychiatrie ist darüber hinaus zuständig für die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt (§ 126 a StPO) bzw. für die Unterbringung im Rahmen von Begutachtungen (§ 81 StPO) sowie für Maßnahmen in Widerrufsverfahren (§ 435c StPO). Die nach § 126 a und § 453 c StPO Untergebrachten besitzen den rechtlichen Status von Untersuchungsgefangenen. Schließlich können Patienten in Führungsaufsicht mit Krankheitsverschlechterungen zur Stabilisierung bis maximal sechs Monate in der Klinik für Forensische Psychiatrie aufgenommen werden (§ 67 h StGB). Kostenträger und Aufsichtsbehörde des Maßregelvollzuges ist das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Mainz.
Fragen, Anregungen und Kritik nimmt die Unterbringungsleiterin der Klinik für Forensische Psychiatrie, Dr. Eva Biebinger, entgegen (§108 Strafvollzugsgesetz).


Stationäre Versorgung der Klinik für Forensische Psychiatrie

Forensische Patientinnen und Patienten werden derzeit auf elf Stationen und in einer Wohngemeinschaft in den Behandlungsbereichen eines psychiatrischen Krankenhauses (§ 63 StGB) sowie einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) therapiert. Das Sicherheitskonzept unterscheidet eine hoch gesicherte, eine weniger gesicherte sowie eine offene Unterbringung.

Behandlungsbereich Psychiatrisches Krankenhaus (§63 StGB)

Station F 1: Aufnahmestation; alle psychiatrischen Diagnosen

Station F 3: Therapiestation; heilpädagogische Ausrichtung: Intelligenzminderungen

Station F 5: Therapiestation; Behandlungsspezialisierung: Psychosen

Station F 7: Therapiestation; Behandlungsspezialisierung: Persönlichkeitsstörungen

Station F  9: Therapiestation; Behandlungsspezialisierung: Chronifizierte psychiatrische Erkrankungen

Station F 11: Rehabilitationsstation; alle psychiatrischen Diagnosen

Station FFa: Aufnahme und Therapie von Frauen; alle Diagnosen

Station FFb: Therapie, Rehabilitation und Entlassvorbereitung von Frauen; alle Diagnosen

FWG: Forensische Wohngemeinschaft; alle Diagnosen

Behandlungsbereich Entziehungsanstalt (§64 StGB)

Station F 2: Aufnahmestation; alle Diagnosen Abhängigkeitserkrankungen

Station F 6: Therapiestation; Behandlungsspezialisierung: Abhängigkeitserkrankungen und Doppeldiagnosen

Station F 8: Rehabilitations- und Entlassstation; alle Diagnosen Abhängigkeitserkrankungen

Station FFa: Aufnahme und Therapie von Frauen; alle Diagnosen

Station FFb: Therapie, Rehabilitation und Entlassvorbereitung von Frauen; alle Diagnosen

FWG: Forensische Wohngemeinschaft; alle Diagnosen

Auf den elf bis 22 Betten umfassenden Stationen bewohnen die Patienten und Patientinnen überwiegend Zweibett-, zum Teil aber auch Einzelzimmer mit Dusche und WC. In der Wohngemeinschaft stehen sechs Einzelzimmer zur Verfügung. Auf allen Stationen bzw. in der Wohngemeinschaft befinden sich zudem Gemeinschaftsräume (z.B. Aufenthalt; Speisen; TV), Raucherzimmer, eine Patientenküche, ein Hauswirtschaftsraum (ausgestattet mit Waschmaschine und Trockner), ein Vorratsraum sowie ein behindertengerechtes Bad. Besucher können in eigens dafür vorgesehenen Räumen empfangen werden. 

Therapieangebote

Diagnostik, Behandlungsplanung und -durchführung sowie Dokumentation erfolgen in kontinuierlich interdisziplinärem Austausch. Zu unseren Behandlungsangeboten gehören:

Umfassende medizinische Versorgung

  • Allgemeinärztliche, neurologische und psychiatrische Versorgung
  • Psychopharmakotherapie
  • Laborkontrollen
  • Zahnärztliche Behandlung

Psychotherapie

  • Einzelpsychotherapie
  • Gruppentherapie
  • Deliktspezifische Behandlungsangebote

Ergotherapie

  • Ergotherapie im Einzel-  und Gruppensetting
  • Neuropsychologische Behandlungsverfahren
  • Arbeitsvorbereitende Maßnahmen
  • Projektarbeit

Sport- und Bewegungstherapie

  • Individualförderung
  • Mannschaftssportarten
  • Erlebnispädagogik
  • Freizeittherapie
  • Projektarbeit

Schulische Förderung

  • Alphabetisierung
  • Elementarunterricht
  • Fachunterricht
  • Sprachunterricht
  • Vorbereitung auf Haupt- und Realschulabschlüsse sowie Abitur
  • EDV-Schulungen

Pädagogisch-Pflegerischer Dienst

  • Psychiatrische Pflege/Bezugspflege
  • Gesundheitspflege
  • Milieugestaltung
  • Soziotherapie
  • Freizeitgestaltung
  • Lebenspraktische Trainingsmaßnahmen
  • Physiotherapie

Sozialdienst

  • Einzelberatung
  • Angehörigenarbeit
  • Soziale Netzwerkarbeit
  • Schuldnerberatung
  • Vorbereitung der beruflichen und sozialen Rehabilitation

Team

Die Behandlungsplanung und -durchführung geschieht durch die multiprofessionellen Teams der verschiedenen Stationen bzw. des ambulanten Bereiches. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören folgenden Berufsgruppen an:

Ärztlich-therapeutischer Dienst

  • Ärzte
  • Psychologen
  • Ergotherapeuten
  • Lehrer
  • Sporttherapeuten

Pädagogisch-pflegerischer Dienst

  • Kranken- und Gesundheitspfleger
  • Erzieher
  • Heilerziehungspfleger
  • Sozialdienstmitarbeiter
  • Physiotherapeuten

Im Rahmen einer umfangreichen Regelkommunikation tauschen sich in der Klinik für Forensische Psychiatrie Führungskräfte und Mitarbeiter sowohl innerhalb als auch zwischen den hierarchischen Ebenen kontinuierlich über ihre Beobachtungen, Planungen, Strategien sowie Vorgehensweisen aus. Mit Hilfe kollegialer Beratung (Intervision), Supervision und fachspezifischer Fortbildung garantieren sie Professionalität und Zeitgeist.

Qualitätssicherung

Fachkommission

Eine unabhängige und interdisziplinär zusammengesetzte Fachkommission kontrolliert alle zwei Jahre, ob die rechtlichen und fachlichen Vorgaben entsprechend den Bestimmungen des rheinland-pfälzischen Maßregelvollzugsgesetzes (MVollzG) erfüllt werden.

Maßregelvollzugstagungen

Bei der jährlich stattfindenden rheinland-pfälzischen Maßregelvollzugstagung tauschen sich Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Kliniken, des Ministeriums sowie der Aufsichtsbehörde über alle wichtigen Fragen des Maßregelvollzuges aus und treffen notwendige Entscheidungen.

Qualitätsmanagement

Die Klinik für Forensische Psychiatrie ist mit Qualitätsbeauftragten sowie einer multiprofessionell besetzten Qualitätsmanagement-Gruppe in das Qualitätsmanagementkonzept (EFQM / KTQ / DIN ISO 9001) des Pfalzklinikums eingebunden. Eine Rezertifizierung nach KTQ erfolgte zuletz im Jahr 2014. Seit 2015 ist die Klinik für Forensische Psychiatrie nach DIN ISO 9001 zertifiziert.

Sicherheitsbilanz

Das klinikinterne Medizincontrolling weist – wie bereits in den Vorjahren – auch für 2014 und 2015 ein weiterhin hohes Sicherheitsniveau bei gleichbleibender Patientenzahl nach. Analysiert werden hier die "besonderen Vorkommnisse", worunter alle gemeldeten "Abweichungen vom Alltag", von verschwundenen Gegenständen über Schwelbrände bis hin zu Entweichungen zu verstehen sind. Von öffentlichem Interesse dürfte beispielsweise sein, dass sich 2014 drei Patienten vorübergehend unerlaubt außerhalb der Klinik befanden, zum Beispiel nicht pünktlich vom Ausgang/Urlaub zurückgekehrt sind (Lockerungsmissbrauch), ohne dass es hierbei zu Straftaten gekommen wäre. 2011 waren dies jeweils vier, 2013 sieben von insgesamt 90 Patienten, die sich täglich im Rahmen von Vollzugslockerungen unbeaufsichtigt außerhalb der Einrichtung bewegen dürfen.

Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit

Um Gerichte, Staatsanwaltschaften, Bewährungs- und Gerichtshilfe über die therapeutischen Bedingungen, Möglichkeiten, Notwendigkeiten und Grenzen des Maßregelvollzuges zu informieren, werden regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Im März 2001 wurde im Rahmen umfangreicher, regionaler Informationsveranstaltungen ein Beirat, die Projektgruppe "Dialog und Sicherheit", gegründet. Diese besteht aus Vertretern der organisierten Öffentlichkeit und der Bürgerschaft sowie des Pfalzklinikums. Halbjährlich stattfindende Treffen bieten Gelegenheit, interessierte Bürger u. a. über Weiterentwicklungen in Sicherheits- und Behandlungsstandards sowie über die aktuelle Sicherheitsbilanz im Maßregelvollzug zu informieren und somit mehr Transparenz zu schaffen.

Darüber hinaus ist die Klinik für Forensische Psychiatrie des Pfalzklinikums in dem 2004 gegründeten "Arbeitskreis Forensische Psychiatrie Transparent" vertreten. Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Verantwortlichen aus forensischen Kliniken in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg, die u.a. einen effizienten Austausch von Medienvertretern, forensischen Fachkräften und der Bevölkerung mit dem Ziel einer höheren Akzeptanz der Forensischen Psychiatrie in der Öffentlichkeit anstreben.

Kooperation mit Wissenschaft und Forschung

Das Maßregelvollzugsgesetz Rheinland-Pfalz sieht eine Zusammenarbeit der Maßregelvollzugskliniken mit Einrichtungen von Wissenschaft und Forschung ausdrücklich vor (§ 8 MVollzG). Die Klinik für Forensische Psychiatrie pflegt diese insbesondere mit der Universität Koblenz-Landau - Fachbereich Psychologie – und der Universität Mainz, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim sowie der Hochschule Ludwigshafen im Sinne einer Unterstützung bei der Durchführung von Lehrveranstaltungen und Katamnesestudien, der Anfertigung von Bachelor-, Master-, Diplom- und Doktorarbeiten sowie der Planung anderer wissenschaftlicher Untersuchungen. Darüber hinaus bestehen jahrelange Kooperationen mit dem Weiterbildungsinstitut für Psychologische Psychotherapie der Universität Koblenz-Landau (WIPP), dem Institut für Fort- und Weiterbildung in klinischer Verhaltenstherapie Bad Dürkheim (IFKV) sowie der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie. Daher können Psychologen ihr klinisches Jahr während ihrer Ausbildung zu Psychologischen Psychotherapeuten unter qualifizierter Anleitung und Supervision in der Klinik für Forensische Psychiatrie absolvieren.

Chefärztin

Dr. Eva Biebinger

Pädagogisch-Pflegerischer Leiter

Peteris Venteris

Ansprechpartner

Mechtild Kreb

Sekretärin Chefärztin

Klinik für Forensische Psychiatrie

Tel. 06349 900-4001
Fax 06349 900-4009
mechtild.krebpfalzklinikum.de

Weinstraße 100
76889 Klingenmünster

Dr. Eva Biebinger

Chefärztin

Unterbringungsleiterin

Klinik für Forensische Psychiatrie

Tel. 06349 900-4000
eva.biebingerpfalzklinikum.de

Weinstraße 100
76889 Klingenmünster

Peteris Venteris

Pädagogisch-Pflegerischer Leiter

Klinik für Forensische Psychiatrie

Tel. 06349 900-4100
peteris.venterispfalzklinikum.de

Weinstraße 100
76889 Klingenmünster

Sylvia Kubath-Schmenger

Leitende Psychologin

Klinik für Forensische Psychiatrie

Tel. 06349 900-4003
s.kubath-schmengerpfalzklinikum.de

Weinstraße 100
76889 Klingenmünster

Dr. Beate Funk

Oberärztin

Forensisch-Psychiatrische Institutsambulanz

Klinik für Forensische Psychiatrie

Tel. 06349 900-4006
beate.funkpfalzklinikum.de

Weinstraße 100
76889 Klingenmünster

Weitere Infos

Im Notfall

Sie benötigen Hilfe? Ihnen oder einem Familienmitglied geht es schlecht? Ärztliche Hilfe wird so schnell wie möglich benötigt?

In dringenden Fällen erreichen Sie uns Tag und Nacht unter:

06349 900-2020

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