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Lesung zum Schicksal der Patientin Katharina Detzel am Mittwoch, 4. November – Eintritt frei.

In der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster fertigte Katharina Detzel im Jahr 1914 eine mannshohe Puppe aus Stroh. (Quelle: Sammlung Prinzhorn Heidelberg)

Klingenmünster. Entmündigung und Gewalt musste Katharina Detzel von 1908 bis 1926 erdulden und dennoch zeigte sie einen unbeugsamen Lebenswillen. 18 Jahre ihres Lebens verbrachte die Künstlerin und Mutter unfreiwillig in der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster. Bernhard Dobbe, Mitglied im Gedenkausschuss des Pfalzklinikums, hat zum Schicksal von Katharina Detzel recherchiert und eine Fallstudie mit dem Titel "Ein Leben in Psychiatrien - Nichts gilt mehr - das Schicksal der Patientin Katharina Detzel 1908-1926" geschrieben. Am Mittwoch, 4. November, stellt er um 18 Uhr im Pfalzklinikum Klingenmünster die Ergebnisse seiner Recherchen vor. Die Lesung findet im Konferenzraum des Hauptgebäudes (Geb. 1) statt, der Eintritt ist frei. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Bernhard Dobbe wirft an dem Abend einen Blick auf das Schicksal von Katharina Detzel, ihre Behandlung in Klingenmünster und ihre Kunstwerke, die zurzeit in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg ausgestellt sind. Er geht auch auf die damaligen Rahmenbedinungen und Akteur*innen der psychiatrischen Versorgung im Vergleich zu heute ein. Alle Gäste sind eingeladen, mit darüber zu diskutieren.

Katharina Detzel wurde 1908 nach einem „Eisenbahntransportgefährdungsversuch“ verhaftet und wegen eines vermeintlichen psychischen Ausnahmezustandes nach Klingenmünster überführt. Obwohl sich ihr Gesundheitszustand besserte, verweigerte die ärztliche Leitung der Patientin 18 Jahre lang die Entlassung. Trotz Gewalt und Entmündigung ließ sie sich nicht unterkriegen: So erkämpfte sie sich immer wieder Freiräume zur Selbstbestimmung und fertigte Kunstwerke an, unter anderem eine große männliche Puppe aus Stroh, die auch in Heidelberg zu sehen ist. Sie überlebte auch große Krisen der Anstalt: Baumängel, dramatische Versorgungsmängel, die Kriegsfolgen, die durchgehend negativen Haltungen im Umgang mit ihrer vermeintlich unheilbaren Erkrankung. 1926 gelang ihr nach mehreren Versuchen die Flucht in die alte Heimat Luxemburg, wo sie einige Jahre ein selbständiges Leben ohne psychiatrische Verwahrung führen konnte. Ab 1940 geriet sie wieder in psychiatrische Behandlung, wo sie bis zu ihrem Tod mit 88 Jahren bleiben musste.

Bernhard Dobbe ist Diplom-Psychologe und Organisationsentwickler. Er war von 2000 bis 2025 am Pfalzklinikum tätig, zuletzt als Personalratsvorsitzender. Auch über den Ruhestand hinaus engagiert er sich im Gedenkausschuss des Pfalzklinikums und betreut regelmäßig die Ausstellung NS-Psychiatrie in der Pfalz. Seine Fallstudie zu Katharina Detzel möchte er als Buch veröffentlichen.

Das Foto können Sie im Zusammenhang mit der Berichterstattung unter Hinweis auf die Quelle "Sammlung Prinzhorn Heidelberg" verwenden: In der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster fertigte Katharina Detzel im Jahr 1914 eine mannshohe Puppe aus Stroh.

Kontakte: 
Bernhard Dobbe
Mitglied im Gedenkausschuss des Pfalzklinikums
Tel.: 0163/1460705
E-Mail: bernharddobbeoutlook.de

Gedenkarbeit des Pfalzklinikums
Tel.: 06349/900-1861
E-Mail: gedenkarbeitpfalzklinikum.de