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„Erinnern ist nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Blick in die Zukunft!“

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Gedenkveranstaltung des Pfalzklinikums zum Thema Zwangssterilisierungen am Beispiel des Schicksals von Maria Z. – Fernsehbericht auf RON-TV

Frauen berichten in einer Andacht über das Schicksal von Maria Z. und anderen Patient*innen, im Vordergrund die Skulptur auf der Gedenkstätte mit den Kränzen, im Hintergrund Besucher*innen.
Das Schicksal von Maria Z. und anderen Patient*innen löste bei den Besucher*innen Betroffenheit aus.

In diesem Jahr stand das Schicksal von Frauen und Mädchen in der NS-Psychiatrie im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung des Pfalzklinikums am 27. Januar. Das Interesse war groß: Fast 200 Besucher*innen hatten sich an der Gedenkstätte versammelt und damit mehr als in den Jahren zuvor. Sie erinnerten an die Patient*innen der damaligen Heil- und Pflegeanstalt, denen Gewalt angetan wurde – vor allem an Frauen und Mädchen, die zwangssterilisiert wurden. 

Der Bezirkstags- und Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Ulrich Ihlenfeld betonte in seinen Grußworten, dass die Zwangssterilisationen nicht im Verborgenen durchgeführt wurden, sondern institutionell und gesellschaftlich legitimiert waren. „Der Bezirkstag und das Pfalzklinikum sind daher in der Pflicht, sich dieser Geschichte zu stellen und sie sichtbar zu halten.“ Dem stimmte Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke zu: „Gedenkarbeit bedeutet für uns, die institutionelle Verantwortung anzuerkennen und daraus Konsequenzen für unser heutiges Führungshandeln zu ziehen – besonders im Umgang mit Menschen, die auf Schutz und Fürsorge angewiesen sind.“ Rita Becker-Scharwatz, Vorsitzende des Aussschusses für Gedenkarbeit, betonte, dass die Zwangssterilisationen für die betroffenen Patient*innen massive körperliche und seelische Verletzungen bedeuteten und den Verlust von Selbstbestimmung und Zukunft: „Sie wirkten für viele ein Leben lang nach. Unser heutiges Gedenken will innehalten, würdigen und aufmerksam machen.“ 

Stellvertretend für die Opfer steht das Schicksal von Maria Z.: 
Im Mai 1934 kommt Maria mit der Diagnose Schizophrenie in die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster. Sie ist damals 24, verheiratet und hat zwei Kinder. Obwohl sie auf dem Weg der Genesung ist, zeigten die Ärzte Maria beim Erbgesundheitsgericht in Frankenthal an. Sie kann nur entlassen werden, wenn sie zwangssterilisiert wird. Ihr Mann Ludwig wird als „Pfleger“ für seine Frau bestellt. Er hat keine andere Wahl, als dem Verfahren zuzustimmen. Mit zwei kleinen Kindern und einem wöchentlichen Verdienst von 18 Mark schreibt er in höchster Not an die behandelnden Ärzte. Er bittet verzweifelt darum, dass seine mittlerweile genesene Frau entlassen wird – ohne Erfolg. Im Dezember wird Maria im Krankenhaus in Landau unfruchtbar gemacht, danach kommt sie nach Hause. Ihre Krankenakte in Klingenmünster endet am 5. Dezember 1934. 

„Als Menschen mit und ohne Diagnose Schizophrenie macht uns die Geschichte von Maria betroffen“, sagte Klinikseelsorgerin Dorothea Helfrich. Klinikseelsorger Michael Reis schlug den Bogen in die Gegenwart: „Wir wissen, dass wir es damals nicht in der Hand hatten, der Geschichte einen anderen Lauf zu geben und stehen doch zu unserer Verantwortung, die uns daraus erwächst.“ Zwei psychiatrieerfahrene Frauen berichteten von eigenen Gefühlen: „Mir wurde mit 27 Jahren gesagt, dass ich keine Kinder bekommen kann. Ich konnte mit niemandem darüber reden. Das konnten die Frauen damals auch nicht.“ 

Erst 2007 wurde das nationalsozialistische Gesetz zur Zwangssterilisierung als Unrecht bezeichnet und die betroffenen Frauen und Männer als Opfer des NS-Regimes anerkannt. Dorothea Helfrich appellierte daran, sich auch heute für eine menschliche Gesellschaft einzusetzen: „Jeder und Jede ist gefragt, für die Würde des Menschen einzustehen“.

Der Fernsehsender RON TV, das Regionalfernsehen von RTL, hat über unseren Gedenktag berichtet. Zur Sendung geht es HIER. Der Bericht beginnt ab Minute 4:52.