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Das Schicksal von Rosa B. – doch nicht vergessen!

NS-Psychiatrie

„Volles Haus“ bei Filmvorführung des Theaterstücks am Donnerstag, 12. März

Das Bild zeigt Schauspielerin Elisabeth Volz und Regisseurin Rosa Tritschler im Gespräch mit dem Publikum.
Schauspielerin Elisabeth Volz (links) und Regisseurin Rosa Tritschler (rechts) waren überraschend zur Filmvorführung gekommen und berichteten vom Entstehungsprozess des Stücks.
Das Bild zeigt den Konferenzraum mit dem Publikum und die Leinwand mit dem Video des Theaterstücks.
Der Konferenzraum war fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Rosa B. war nach einem Schicksalsschlag seelisch erkrankt und hätte Zuwendung gebraucht. Stattdessen verbrachte sie 14 Jahre in der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster, wo sie schließlich 1946 mit nur 48 Jahren und einem Gewicht von nur noch 36 Kilo an Hunger starb. Erst viel später begab sich ihre Enkelin auf die Recherche und deckte die Geschichte der Großmutter auf. Es entstand das Theaterstück „Rosa B. – beinahe vergessen“. Geschrieben wurde es von Regisseurin Rosa Tritschler, die das Stück mit der Theatergruppe WeibsBilder des Herxheimer Dorftheaters auf die Bühne brachte. Der Ausschuss für Gedenkarbeit des Pfalzklinikums zeigte in Kooperation mit der Gleichstellung im Rahmen der Frauenwochen die Filmaufnahme einer der letzten Aufführungen. Der Konferenzraum im Hauptgebäude des Pfalzklinikums in Klingenmünster war am vergangenen Donnerstag voll besetzt. Auch eine Klasse einer Pflegeschule besuchte die Veranstaltung und im Vorfeld die Ausstellung NS-Psychiatrie in der Pfalz. Für eine große Überraschung sorgten die Regisseurin und zwei der Schauspielerinnen, die ebenfalls gekommen waren.

„Ich wollte die Rolle der Oberschwester nicht spielen. Erst nach vielen Gesprächen habe ich mich überreden lassen und dann mussten wir manchmal die Proben unterbrechen, weil uns die Geschichte so naheging“, erzählte Christel Adam, eine der Schauspielerinnen, am Rande der Aufführung. Auch Regisseurin Rosa Tritschler berichtete gemeinsam mit der Schauspielerin Elisabeth Volz vom Entstehungsprozess des Stückes: „Es war ein Prozess. Ich lernte die Enkelin von Rosa B. über ein halbes Jahr lang kennen, bevor wir mit der Arbeit an dem Stück begannen. Alle Szenen habe ich mit ihr abgesprochen, da es auch um sehr persönliche Themen im Hinblick auf die Erkrankung von Rosa B. ging“, so Rosa Tritschler, die zufällig den gleichen Vornamen trägt wie die Protagonistin des Stücks. Das Herxheimer Dorftheater wollte „ein Frauenleben zwischen den Welten“ auf die Bühne bringen. Es handelte sich um dokumentarisches Material mit frei gestalteten Szenen, die Reihenfolge war bewusst nicht chronologisch. Es zeigte den Schrecken der NS-Zeit und wie damals seelisch erkrankte Menschen weggesperrt und getötet wurden. Rund 20 Mal wurde das Stück in den Jahren 2019 bis 22 aufgeführt.

Erzählt wird die Geschichte von Rosa B. und dem Rechercheprozess ihrer Enkelin. Die Großmutter habe ihr Glück in Amerika gemacht und sei dort an einer Lungenentzündung gestorben, erzählt die Familie – bis die Enkelin eine Kiste findet mit der Sterbeurkunde ihrer Großmutter. Über Jahre recherchiert sie, bis sie den Lebensweg nachzeichnen kann. Rosa B. ist ein intelligentes Kind, sie lernt viel, ist gut in der Schule und wird Lehrerin. Als sie heiratet, muss sie den Beruf aufgeben und gründet eine Privatschule. Sie bekommt einen Sohn, in ihrer Ehe kriselt es, ihr Mann wandert in die USA aus. Sie folgt ihm, aber die Ehe scheitert, ihr Traum von einem Leben in den USA zerplatzt. Sie unternimmt einen Suizidversuch und wird zurück nach Deutschland abgeschoben. Hier kommt sie 1932 in die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster – und nie wieder raus. Nach der Evakuierung der Anstalt entgeht sie nur knapp dem Transport in eine Tötungsanstalt. Sie kommt zurück nach Klingenmünster und stirbt dort im Sommer 1946 mit nur 48 Jahren an Hunger.

Auch 4 Jahre nach der letzten Aufführung ließ das Stück sichtlich bewegte Zuschauer*innen zurück, die einige Fragen an Rosa Tritschler und die Schauspielerinnen hatten. Bei Getränken kamen alle noch ins Gespräch und ließen den Abend ausklingen.