Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie AdöR Klingenmünster

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Restless-Legs-Syndrom – Syndrom der unruhigen Beine

Beim Restless-Legs-Syndrom handelt es sich um eine weit verbreitete, aber wenig bekannte Ursache von Schlafstörungen. Es wurde erstmals von Thomas Willis 1685 beschrieben und 1945 durch Karl Ekbom mit dem Begriff Restless-Legs-Syndrom in die medizinische Literatur eingeführt.

Häufigkeit
Das Restless-Legs-Syndrom tritt, je nach Studie, bei 1 und 15 % der Bevölkerung auf. Neuere Studien zeigen, dass in Deutschland 2 - 3 % der Bevölkerung ein behandlungsbedürftiges Restless-Legs-Syndrom aufweisen. Die Häufigkeit des Restless-Legs-Syndroms nimmt mit steigendem Lebensalter zu, Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, wobei der Anteil der Frauen dann überwiegt, wenn sie mehrfach schwanger waren.

Symptome
Die Patienten klagen über quälende Missempfindungen, wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Brennen in den Extremitäten, insbesondere den Unterschenkeln, seltener den Oberschenkeln oder in den Armen. Oft besteht eine Kombination mit Schmerzen in den Extremitäten. Die Beschwerden sind typischerweise in den frühen Morgenstunden am geringsten ausgeprägt und finden ihr Maximum nachts zwischen 24 Uhr und 4Uhr. Infolgedessen entsteht eine zum Teil massive Störung des Schlafes. Die Symptome treten weiterhin bevorzugt in Ruhe, beim Liegen auf, manchmal auch in Ruhephasen am Tage, zum Beispiel vor dem Fernseher, im Flugzeug, im Kino, als Beifahrer im Auto.. Meist kann eine prompte Besserung durch Bewegung, gegebenenfalls auch physikalische Reize (Reiben, kaltes Wasser), erzielt werden. Im Bett strecken die Patienten die Beine häufig unter der Bettdecke hervor, da Wärme die Symptome verstärken kann. Häufig ist die Kombination mit periodischen Beinbewegungen. Diese treten in ca. 80 % der Fälle während des Schlafes in Kombination mit Weckreaktionen auf. Diese Beinbewegungen verbunden mit kurzen Weckreaktionen, derer sich der Schläfer nicht bewusst ist, können in einer Häufigkeit von mehreren Hundert pro Nacht auftreten. Als Ursachen des primären Restless-Legs-Syndroms werden eine Balance-Störung im Dopamin- bzw. Eisenstoffwechsel im zentralen Nervensystem vermutet. Sekundäre Restless-Legs-Syndrome treten im Rahmen von anderweitigen Erkrankungen auf. Ca. 20 % der Urämie(?)-Patienten leiden an Restless-Legs-Syndromen. Bei der chronischen Polyarthritis und anderen rheumatischen Erkrankungen tritt das RLS in ca. 30 % der Fälle auf und beim Eisenmangel in ca. 20 % der Fälle. Nicht selten kann ein RLS temporär während der Schwangerschaft in 10 – 15 % der Fälle beobachtet werden. Polyneuropathien (Erkrankungen des Nervensystems) stellen eine weitere häufige Ursache von RLS-Beschwerden dar.

Untersuchung
Die Störung wird überraschend selten als Ursache der Ein- u. Durchschlafstörung empfunden und muss daher häufig aktiv erfragt werden. Bei der primären vererbbaren Form kann eine familiäre Häufung festgestellt werden. Eine ausführliche internistische und neurologische Untersuchung ist zum Ausschluss sekundärer Formen unabdingbar. Die stationäre Polysomnographie dient dem Ausschluss periodischer Beinbewegungen mit Weckreaktionen. Sie stellt die einzigste diagnostische Methode zur Erkennung der Beinbewegung dar. 

Therapie
Bei den symptomatischen Formen des Restless-Legs-Syndroms stehen Ursachen beseitigende Maßnahmen im Vordergrund wie z. B. eine Eisensubstitution, Behandlung der Niereninsuffizienz oder der Polyneuropathie. Beim primären Restless-Legs-Sydrom steht, aufgrund der unklaren Ursachen die symptomatische medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Die medikamentöse Behandlung erfolgt mit Antiparkinson-Mitteln, Opioiden, Benzodiazpinen oder auch Antiepileptika. Dabei gelten die Dopamin-Agonisten (Antiparkinson-Mittel) als Mittel der ersten Wahl. Für L-DOPA-Präparate wird eine Dosis zwischen 50 und 300, max. 400 mg empfohlen. Opioide kommen bei fehlender Wirksamkeit von Dopamin-Agonisten, Toleranzentwicklungen oder als alleinige Therapie in Frage. Benzodiazepine wie beispielsweise Clonazepam führen zu einer Verbesserung der Schlafstruktur, nicht jedoch zu einer Reduktion nächtlicher periodischer Beinbewegungen. In Einzelfällen werden auch positive Wirkungen von Anitepileptika wie beispielsweise Valproat oder Carbamazepin berichtet.

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