Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie AdöR Klingenmünster

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Die psychophysiologische Insomnie oder auch gelernte Schlaflosigkeit

Verwandte Begriffe sind gelernte Insomnie, konditionierte Insomnie, primäre Insomnie, chronisch erhöhte körperliche Anspannung oder psychophysiologische Hyposomnie.

Häufigkeit
Bei der psychophysiologischen Insomnie, welche durch Ein- u. Durchschlafstörungen oder früh morgendliches Erwachen gekennzeichnet ist, handelt es sich um die häufigste Schlafstörung. Ca. 10 % der Bevölkerung sind betroffen, davon sind ungefähr 50 % therapiebedürftig. Sie wird häufig in der 3. Lebensdekade als störend bemerkt. Die Beschwerden können sich mit zunehmendem Lebensalter verschlechtern. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen
Es handelt sich  um eine Schlafstörung bei chronisch erhöhtem körperlichen, emotionalen und geistigem Anspannungsniveau. Schlafverhindernde Assoziationen und Fehlverhaltensweisen in Bezug auf den gesunden Schlaf können beobachtet werden. Die psychophysiologische Insomnie besitzt eine hohe Chronifizierungsneigung.

Symptome
Bei den Patienten kann häufig eine übertriebene Anstrengung einzuschlafen, Angst vor Schlaflosigkeit und mangelnde Schlafhygiene (z. B. unregelmäßige Bettzeiten, nächtliches Arbeiten, Fernsehen, zu langer Schlaf am Morgen) beobachtet werden. Charakteristisch sind die mangelnde Fähigkeit abzuschalten und nächtliche Grübelneigung. Häufig tritt erst in den Morgenstunden das Schlafvermögen auf. Am Tage erleben die Patienten starke Müdigkeit, Erschöpftsein, und emotionale Verstimmungen. Häufig können Stresssymptome wie Kopf- u. Magenschmerzen beobachtet werden. Gegen Abend ist häufig eine erhöhte Angst vor dem Schlafengehen zu beobachten.

Untersuchung
Im Vordergrund steht der Ausschluss organischer oder psychischer Störungen, welche eine Insomnie hervorrufen können. Wichtig sind weiterhin Laborparamter, insbesondere Schilddrüsenwerte, Eisen-, Folsäure-, Vitamin B 12–Bestimmung, Leberwerte. In der Medikamenten- u. Suchtmittelanamnese findet sich nicht selten ein chronischer Benzodiazepingebrauch und/oder auch ein vermehrter Alkoholkonsum am Abend.

Untersuchung im Schlaflabor
Eine stationäre polysomnographische Untersuchung zum Ausschluss anderweitiger Ursachen der Schlafstörung ist insbesondere bei chronisch andauernden Ein- u. Durchschlafstörungen angezeigt. In der polysomnographischen Untersuchung des Schlaflabors zeigt sich häufig eine verlängerte Einschlafdauer, eine erhöhte Anzahl und Dauer nächtlicher Wachphasen sowie eine verminderte Schlafqualität. Häufig ist der oberflächliche Schlaf erhöht und der Tiefschlaf reduziert. Bei einer Feinanalyse der nächtlichen Registrierung finden sich vermehrt Mikroarousals (kleinere Weckreaktionen) und charakteristische Überlagerungen im Hirnstrombild der Patienten. Trotz der gelegentlichen Belastung infolge der Messaufnehmer in der Untersuchungssituation schlafen die Patienten nicht selten besser als in der heimischen Umgebung.

Therapie
Es kommen sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Therapieformen, welche zum Teil in Kombination angewendet werden, in Betracht. Die meisten therapeutischen Maßnahmen können ambulant durchgeführt werden.

Nicht-medikamentöse Verfahren
Schulung in Schlafhygiene; Schlaftagebuch; Entspannungsverfahren; verhaltenstherapeutisch orientierte Einzel- oder Gruppensitzungen; Stimuluskontrolle (Hilfen zum Grübelstopp); Schlafrestriktion (Reduzierung der Bettzeit); paradoxe Intension; Lichttherapie.

Medikamentöse Behandlung
Schlafmittel sollten nur über kurze Zeiträume von maximal 2 x 2 Wochen und nur in wenigen Ausnahmefällen bis zu 3 Monate eingenommen werden. Sekundäre Schlafmittel, wie z. B. beruhigende Antidepressiva können häufig über längere Zeiträume verordnet werden. Niedrigpotente Neuroleptika, Phytopharmaka, L-Tryptophan, Melatonin oder Antihistaminika können nur in Einzelfällen in Betracht gezogen werden.