Gedenkarbeit
Auch die Klinik in Klingenmünster war an verbrecherischen Maßnahmen der NS-Psychiatrie beteiligt. Untersuchungen belegen, dass mindestens 296 Patientinnen und Patienten der Anstalt deportiert wurden und außerhalb von Klingenmünster in anderen Einrichtungen gewaltsam zu Tode kamen. Etwa 1700 weitere Patienten starben in Klingenmünster durch gezielten Nahrungsentzug, unterlassene Hilfe und vermutlich auch durch überdosierte Medikamente. Zudem war die Anstalt aktiv in dei NS-Erbgesundheitspolitik und die Durchführung von Zwangssterilisationen in der Pfalz eingebunden.
Die vom Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde herausgegebene Dokumentation "Die Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster 1933 - 1945" der Autoren Karl Scherer, Otfried Linde und Roland Paul gibt Zeugnis vom Forschungsstand bis 1998.
1993 wurde ein Gedenkstein für die Opfer der NS-Psychiatrie eingeweiht. Er trägt die Inschrift: "Den Opfern der nationalsozialistischen Psychiatrie zum Gedenken - den Lebenden zur Mahnung".
Seit 1996 wird bundesweit am 27. Januar der nationale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen, so auch im Pfalzklinikum. Es finden Gedenkveranstaltungen statt, die auf große Resonanz bei MitarbeiterInnen, PatientInnen und Angehörigen sowie bei den Menschen der Region stoßen.
Im Jahr 2003 wurde die Ausstellung "Euthanasie in Hadamar und Klingenmünster" gezeigt. Mehr als 2500 BesucherInnen, vor allem SchülerInnen aus der Nachbarschaft, wurden durch die Ausstellung begleitet. Die Initiative für die Ausstellung ging vom Arbeitskreis Ethik aus, der sich im Jahr 2001 gebildet hatte. Ihm gehören MitarbeiterInnen verschiedener Berufsgruppen, KlinikseelsorgerInnen und ein Mitglied des Verwaltungrates an. Der Arbeitskreis regte auch die Gestaltung einer Gedenkstätte für die NS-Opfer an.
Der erste Teil der "Pfälzischen Gedenkstätte für die Opfer der NS-Psychiatrie" wurde am 11. April 2008 auf dem Klinikfriedhof in unmittelbarer Nachbarschaft des Klinikgeländes in Klingenmünster - gelegen auf der Gemarkung Göcklingen - eingeweiht.
Im Rahmen eines Promotionsstipendiums bearbeitete der Kulturwissenschaftler Christof Beyer von 2007 bis 2009 die 150-jährigen Geschichte des Pfalzklinikums, und dabei wurde selbstverständlich auch das dunkelste Kapitel der Klinikvergangenheit angemessen beleuchtet. Die Promotion wurde ermöglicht durch den Bezirksverband Pfalz. Die Forschungsergebnisse von Dr. Christof Beyer wurden vom Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern herausgegeben. Das Buch trägt den Titel: „Von der Kreisirrenanstalt zum Pfalzklinikum. Eine Geschichte der Psychiatrie in Klingenmünster". (ISBN 3-927754-68-3)
Am 18. Januar 2012 wurde die Wanderausstellung "NS-Psychiatrie in der Pfalz" im Alleehaus (Gebäude 43) an der Klinikeinfahrt eröffnet.
Weitere Informationen zur Wanderausstellung finden Sie hier:
www.ns-psychiatrie-pfalz.de

